E-Learning Trends 2021: Learning Experience Systeme

„Das könnte Sie auch interessieren“ – „95% Übereinstimmung“ – „Das sollten Ihre nächsten Reiseziele sein“: Intelligente Algorithmen kümmern sich um unseren Kleidergeschmack, unsere Vorlieben beim Streamen und unsere Sehnsuchtsorte. Neuerdings sollen Sie auch unsere Art und Weise zu lernen beeinflussen. Moderne Learning Experience Systeme (LXS) enthalten Recommender Systeme, die auf Basis von Datenanalysen personalisierte Lerninhalte empfehlen und damit bessere Lernerlebnisse ermöglichen. Hat das klassische Lern Management System (LMS) deshalb ausgedient?

Was sind Learning Experience Systeme (LXS)?

Learning Experience Systeme ermöglichen heute selbstgesteuerte, selbstverantwortliche und personalisierte Lernerfahrungen und gelten als große Innovation der Lernplattformtechnologie. Sie zeichnen sich in der Regel durch folgende Merkmale aus:

Damit nähern sich Lernsysteme den Funktionsweisen und Nutzungsgewohnheiten an, die wir von den großen Internetportalen und -marktplätzen kennen. Sie fügen sich zudem perfekt in den New-Work Kontext ein, der mehr Selbständigkeit und eine größere Handlungsfähigkeit von allen Mitarbeiter*innen fordert, um auf die Herausforderungen der digitalen Transformation und verkürzte Innovationszyklen besser und schneller reagieren zu können. Mitarbeiter*innen, so die These, werden in Zukunft immer mehr Zeit damit verbringen müssen, selbständig Neues zu lernen und anwendungsbezogen zu verarbeiten. Um in der Lage zu sein, mit den sich schneller wandelnden Anforderungen der Organisationsumwelt umzugehen, rückt das selbstverantwortliche Lernen in den Mittelpunkt zukunftsorientierter Lernszenarien.

Was sind Lern Management Systeme (LMS)?

Lern Management Systeme sind hingegen eher geschlossene Plattformen, auf denen sich digitale Lehr-Lernprozesse abbilden lassen. Einige ihrer Funktionen überschneiden sich mit LXS und umgekehrt. LMS zeichnen sich in der Regel durch folgende Merkmale aus:

Enabling-Paket
MyCollege: Mieten oder kaufen? Entdecken Sie unser vielfältiges LMS-Angebot!

Es ist deutlich zu erkennen, dass die Organisation eine wichtige Rolle bei der Steuerung der Lernvorgänge einnimmt. Sie definiert das Curriculum (Kursprogramm) auf Basis von Skill-Gap-Analysen oder strategischer Entscheidungen. Sie bestimmt auch über die Lerninhalte, legt Lernpfade fest und verbindet Kompetenzziele und Zielgruppen. Kritisch kann angemerkt werden, dass dieser Ansatz die Gestaltung des Lernens auch limitiert, da nicht die Nutzer*innen selbst, sondern Expert*innen die Konzeption und Organisation der Lernumgebung bestimmen. Das LXS verfügt demnach hinsichtlich der Anforderungen an selbstgesteuerte Lernszenarien über technologische Vorteile gegenüber dem LMS.

Doch welches Lernsystem ist besser?

Die Frage, welches Lernsystem besser ist, zielt in die falsche Richtung. Präziser sollte gefragt werden, für welche Zwecke und unter welchen Bedingungen beide Systeme bestmöglich eingesetzt werden können. Wir haben deshalb die Merkmale und Stärken beider Systeme (idealtypisch) für Sie zusammengefasst.

Fazit

Es hängt also ganz wesentlich von den Einsatzszenarien, den Zielen und der existierenden Lernkultur ab, welche Plattform in einer Organisation zum Einsatz kommen sollte. Lern Management Systeme sind überlegen, wenn es darum geht, zielgerichtet neue Inhalte in den Lernprozess einzubringen (Einleitung von Change-Prozessen) und diese Inhalte sinnvoll anzuordnen und zu sequenzieren. Damit eigenen sie sich besser für den umfassenden Kompetenzaufbau und die Aneignung von Expertenwissen. Dagegen entfalten Learning Experience Systeme ihre Stärken beim sozialen Lernen, beim Filtern unsortierter Lerngegenstände und beim individuellen Performance Support. Es hilft also insbesondere dabei, sich schnell über bestimmte Inhalte zu informieren oder Wissen aufzubauen und bietet dabei ein individuelles und soziales Lernerlebnis. Dies gilt aber nur dann, wenn Lernende bereits die Fähigkeiten besitzen, souverän mit Information umzugehen und sie sinnvoll in ihre „persönlichen Curricula“ einzufügen. Aus unserer Sicht sollten Käufer*innen also darauf achten, dass sich im LXS weiterhin auch gemanagte Lernprozesse gut abbilden lassen.

LXS:
Prinzipiell unbegrenzt, doch wie ist der Bezug der Inhalte zueinander definiert (Ähnlichkeit, Häufigkeit, Bewertung)? Beurteilung der Qualität der Inhalte durch die Lernenden notwendig.

LMS:
Sind begrenzt und durch Experten hinsichtlich der Qualität geprüft, didaktisch angeordnet und sachlogisch aufeinander bezogen.

LXS:
Neue Lerninhalte können entdeckt werden, aber Neigung, ähnliche Inhalte zu empfehlen.

LMS:
Völlig neue Lerninhalte können bewusst präsentiert werden.

LXS:
Lernpfade müssen vom Lerner selbst erstellt werden. Ggf. Hilfen durch das System auf Basis von Deskriptionen.

LMS:
Lernpfade sind nach fachlichen und didaktischen Kriterien definiert und enthalten eine Rhythmisierung von Inhaltspräsentation und Übungen.

LXS:
Eigene Lernerfahrungen und Lernerfahrungen anderer werden systematisch berücksichtigt (Vorwissen, Bewertungen, Empfehlungen).

LMS:
Eigene Lernerfahrungen können mittels Kommunikationstools weitergegeben werden, sind aber nicht formalisiert.

LXS:
Gut bei Performance Support im Kompetenzbereich Knowledge, aber Anwendungsorientierung des Wissens (Skills und Attitudes) nur begrenzt möglich?

LMS:
Durch die individuelle Gestaltung von Lernpfaden können gezielt alle Kompetenzbereiche zielgenau adressiert werden. Performanz kann überprüft werden.

LXS:
Souveräne Lernende, die Qualität und Passung von Lerninhalten gut beurteilen können

LMS:
Keine, Lerninhalte können (von Lehrenden) individuell an Voraussetzungen der Lernenden angepasst werden

LXS:
Lerninhalte müssen selbständig auf Jobprofile bezogen werden, geeignete Übungsformate u. U. nicht verfügbar?

LMS:
Lerninhalte und Aufgaben werden jobbezogen konstruiert (Lernaufgabenkonzept), Übungen als Teil des Lernpfads

LXS:
Allgemein intuitives UI/UX Design, Social Learning und Gamification als integrale Bestandteile

LMS:
Abhängig vom System, Social Learning und Gamification meist „aufgesetzt“

LXS:
Konnektivismus

LMS:
Kognitivismus/Konstruktivismus

Ihr Ansprechpartner

Geschäftsführer
Andreas Gerster
info@ccb21.de
+49 (0)951 16098 711