Learning Change -
Auf dem Weg zur
lernenden Organisation

Artikelauszug von Andreas Gerster und Dr. Harald Bender

Im Beitrag „Learning Change – Auf dem Weg zur Lernenden Organisation“ zeigen die Autoren (Andreas Gerster und Dr. Harald Bender), wie sich aufgrund beschleunigter technologischer Veränderungsprozesse Kompetenzanforderungen an Mitarbeiter und Strukturanforderungen an Organisationen in Zukunft grundlegend verändern werden. Future Skills, also ein gänzlich neues Set an Kompetenzen, und die Fähigkeit zum selbstorganisierten Lernen, ja generell zur Selbstorganisation, werden zu einer Existenzfrage für das Bestehen moderner Organisationen. Die Autoren gehen dabei insbesondere der Frage nach, wie die Funktionalitäten moderner Lerntechnologien, so genannter Learning Experience Systeme, den Wandel zur Selbstorganisation entscheidend befördern können. Abschließend werden die idealtypischen Phasen dargestellt, in denen sich der Wandel zur Lernenden Organisation als dynamisches, sich dauerhaft selbst erneuerndes System vollziehen kann.

Eine Welt im Wandel

Der Begriff der digitalen Transformation wird heute inflationär benutzt – und spiegelt doch einen tiefgreifenden, in seinen Konsequenzen heute kaum absehbaren Wandel in der Arbeits- wie auch in der Lebenswelt wider. In der gesamten Umwelt jedes Unternehmens finden dabei Veränderungen statt, die keineswegs nur die Fragen digitaler Austausch- und Darstellungsmedien oder digitaler Algorithmen berühren. Die Wandlungsprozesse setzen viel tiefer an und betreffen die sozialen, ökonomischen und politischen Transformationen, die von digitalen Medien im Rahmen von Prozessen der Globalisierung und des Wertewandels mit ausgelöst und täglich rückverstärkt werden. Und entsprechend tiefer und weit über die Fragen der technischen Anwendung von Medien und Software hinaus gehen die Herausforderungen, denen eine Organisation sich heute stellen muss. „Lernen“ ist auf allgemeinster Ebene die Anpassung an eine sich wandelnde Umwelt – um weiter bestehen zu können! Die Fragen der Lernenden Organisation und des „Learning Change“, also des Wandels der Lernformen und -kulturen, sind deshalb Bestandsfragen moderner Organisationen. Und dies gilt umso mehr, je stärker diese Organisationen auf Leistungen für sich wandelnde Umwelten in Form sich heute rapide wandelnder Märkte ausgerichtet sind. Unternehmen sind deshalb Organisationen, für die der Learning Change als Wandel des Lernens und der Organisation selbst von existentieller Bedeutung ist.

Inhaltsverzeichnis

Eine Welt im Wandel
Der Druck auf die Organisation wächst
Wie sich Organisationen verändern müssen
Die Lernende Organisation
Infrastrukturen und Technologien der Lernenden Organisation
Der Weg zur Lernenden Organisation - Die Phasen des Learning Change
Schlussbetrachtung und Ausblick - Kultur und Agilität im Learning Change

Das komplette Inhaltsverzeichnis finden Sie hier.

Die Eigenlogik der digitalen Lernräume, die sich dabei entwickelt, wird bis heute nur in Ansätzen verstanden. Die frühen Pioniere des Internets hatten den „Cyberspace“ mit vielgestaltigen Visionen seit den 1990er Jahren als neue, digitale Science Fiction beschrieben. Heute sehen wir die Freisetzung der Kommunikation von realem Raum und objektiver Zeit in virtueller Kopräsenz synchron oder asynchron, personal oder durch den digitalen Bot, live oder abgerufen aus der Cloud. Wir sehen, wie die Grenze zwischen Konsument und Produzent aufgehoben wird, wie potentiell alle Nutzer des Smartphones und der sozialen Austauschmedien zu Prosumern (Prosumenten) von Waren oder Informationen werden und zu großen Teilen schon geworden sind. Und auch im Bereich des Lernens halten diese Phänomene Einzug – sei es in Form virtueller, gemischter oder augmentierter Lernrealitäten, sozialer Lernplattformen mit nutzergenerierten Inhalten oder adaptiver Systeme, die künstliche Intelligenz (KI) für individualisiertes Lernen nutzbar machen.

Auf die Unternehmen und den organisationalen „Learning Change“ hat dies erhebliche Auswirkungen: Was wir in den sozialen Medien und Plattformen und mit unseren ständigen digitalen Begleitern und Assistenten einüben, kann in den Unternehmen in die Konzepte von Agilität und „New Work“ eingehen. Und was wir an Vernetzung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz privat und in der Freizeit nutzen, kann zum Standard werden, der auch am Arbeitsplatz gelten soll. Ein Unternehmen, das sich diesem Wandel öffnet, wird für die Beschäftigten modern wirken und attraktiv. Oder im anderen Fall als gestrig, als zurückgeblieben, als abgehängt. Dieses Wahrnehmungsmuster und entsprechende “Image“ der digitalen Vorreiter oder „Nachzügler“ zu benennen, sagt noch nichts darüber aus, ob oder unter welchen Bedingungen neue Medien und Kommunikationstechniken in einem Unternehmen konkret tatsächlich sinnvoll sind. Aber es beschreibt den Druck, unter dem Unternehmen heute stehen, wenn es gilt, den auf Agilität abzielenden kulturellen Prägungen der kommenden „Digital Natives“ gerecht zu werden und die klassischen, auf stabilen Prozessen und Verfahrensweisen beruhenden Kriterien damit zu verbinden. Agilität vs. Validität und „Digital Natives“ vs. „Paper Natives“ kann dabei zum Gegeneinander oder zum synergetischen Prozess des voneinander Lernens werden.  

Learning Change heißt also, den Wandel bewusst und offen so zu gestalten, dass ganz unterschiedliche Ansprüche und Prägungen dabei „mitgenommen“ werden. Dies gilt auch für ein sich wandelndes Organisationsdesign. Das Modell des Learning Change knüpft deshalb an das der Lernenden Organisation an und fragt, wie durch eine schrittweise Veränderung des Zusammenspiels von Lernkultur, Lerntechnologie, Organisationsdesign und Führung Bedingungen geschaffen werden können, die es Organisationen ermöglichen, die Veränderungen der digitalen Transformation (besser) zu bewältigen.

Learning Change soll im Artikel entsprechend nicht nur als Wandel des Lernens innerhalb einer Organisation begriffen werden, sondern auch als Lern- und Wandlungsprozess für die Organisation selbst. Der Beitrag soll anschaulich den „Lernprozess“ von der gemanagten zur selbstlernenden Organisation beleuchten und damit zu einem besseren Verständnis der Einsatzmöglichkeiten moderner Lernsysteme beitragen.

von Mario A. Pfannstiel (Herausgeber), Peter F.-J. Steinhoff (Herausgeber)

Das Herausgeberwerk zeigt theoretisch fundiert und praxisnah Potenziale von E-Learning in Unternehmen und Hochschulen auf, beschreibt die Veränderungen der Unternehmenskultur und stellt nützliche Werkzeuge und Methoden für digitales Lernen und Lehren vor.
Das Buch richtet sich an Praktiker, die sich mit E-Learning in Bildungszentren und Unternehmen beschäftigen, Fach- und Führungskräfte mit Entscheidungsbefugnis sowie Wissenschaftler und Dozierende mit den Schwerpunktfächern Digitales Lernen, E-Learning, Gamification, Bildung und Medien Design.

Herausgeber: ‎ Springer Gabler; 1. Aufl. 2022 Edition (6. Mai 2022) | Sprache: ‎ Deutsch | Gebundene Ausgabe: ‎ 782 Seiten | ISBN-10: 3658361123 | ISBN-13: 978-3658361129

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